Hans Proppe (1875-1951). Visionär, Gestalter und Lebensreformer

Hans Proppe (1875-1951) war Professor an der Trierer Kunstgewebeschule. Der Lebensreformer lebte mit seiner Familie im ländlichen Euren und genoss hier die Ruhe und Abgeschiedenheit für seine Lebens- und Kunstprojekte. Foto: Stadtmuseum Simeonstift

Ausstellung im Stifterkabinett des Stadtmuseums Simeonstift Trier

29. August bis 26. November 2017 und ab dem 16. Januar 2018

Hans Proppe war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der interessantesten Professoren und Künstler der Stadt Trier. Seit 1904 war er als „Architekt für Kunstgewerbe“ an der Gewerblichen Fortbildungs- und Gewerbeschule – der heutigen Hochschule Trier – tätig.

In den Jahren 2013 und 2014 haben die Nachkommen Hans Proppes einen großen Teil des privaten Nachlasses in die Hände des Stadtmuseums Simeonstift Trier gegeben. Im Sommer 2013 hat Proppes in Agua Dulce, Kalifornien lebender gleichnamiger Enkel Hans Proppe (geb. 1943) den bei ihm befindlichen Nachlass seines Großvaters dem Stadtmuseum Simeonstift überlassen. Auf die Idee kam er, nachdem er im Internet Artikel von Bettina Leuchtenberg über das Haus Proppe in Euren gelesen hatte (100 Jahre modern, Auf den Spuren von Heinrich Tessenow in Trier, Kennen Sie… das Haus Proppe?). Der Enkel Hans Proppe wandte sich an die  Autorin Bettina Leuchtenberg sowie an das Stadtmuseum Simeonstift Trier und schon wenige Wochen später kam per Luftpost ein Paket aus Kalifornien an. Ergänzende Teile des verstreuten Nachlasses Proppe kamen teilweise auch durch Ankäufe 2014 von weiteren Familienmitgliedern in das Stadtmuseum. Zahlreiche Fotografien, Zeichnungen, Postkarten, Schriftstücke und Briefe ermöglichen nun einen tiefergehenden Blick auf Hans Proppe, der das Kulturleben zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Trier um viele Facetten reicher gemacht hat.

In der Ausstellung zeigt die Kuratorin Bettina Leuchtenberg ausgewählte Stücke aus dem Nachlass, mit denen das Leben und Wirken des Trierer Avantgardisten lebendig wird. Vieles, was vor 100 Jahren modern und innovativ war, ist auch heute noch Thema. Hans Proppes Weltanschauung beinhaltete neben Mazdaznan, Vegetarismus und anderem auch das Gemeinschaftserlebnis und -leben mit Freunden und Kollegen in seinem Haus im Grünen, Zentrum einer selbst organisierten Künstlerkolonie. Mazdaznan ist eine um 1900 von Otoman Zar-Adusht Hanish (geboren als Otto Hanisch, 1844–1936) begründete Lebenswissenschaft alt-persischen Ursprungs, ähnlich der Lehrsysteme des indischen Yoga oder Ayurveda.

Vieles, was vor 100 Jahren modern und innovativ war, findet sich in alternativen Lebensentwürfen der Gegenwart wieder, sei es der Trend zum „Urban Gardening“, der Kommunen-Gedanke oder die Arbeit in Künstlerkollektiven.

Mit dem vereinten Nachlass ist nun ein wichtiger Teil der Geschichte Triers des frühen 20. Jahrhunderts wieder am Ort seiner Entstehung. Ein großer Dank geht an die Familie Proppe, die dazu beiträgt, die Erinnerung an einen wahren Trierer Freigeist aufrechterhalten zu können.

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